BEGEGNUNGEN IN RAHLSTEDT

Geschichten und Nachdenkliches rund um die ehrenamtliche Hilfe für Menschen auf der Flucht

(die Bilder sind immer mit der ausdrücklichen Erlaubnis der Abgebildeten gemacht, wurden aber nachträglich anonymisiert)


 

Im Caféhaus

23.12.2015

Ein sehr netter Rahlstedter hatte sich über die Internetseite "Rahlstedt-hilft" gemeldet und wollte ein vorweihnachtliches Kaffeetrinken spenden.
Wir haben das Ganze konkretisiert und uns heute im Caféhaus in der Rahlstedter Straße verwöhnen lassen.


Eine Ecke wurde für uns reserviert und eingedeckt. Kuchen und Getränke hatten wir auch schon im voraus bestellt. Hätte sich jedes Kind allein seinen Kuchen am Tresen ausgesucht, säßen wir wohl jetzt noch da. Der Anblick der Sahnestückchen verführte die Kinder, schmeckte ihnen aber nicht immer. Da mussten sich dann die Mütter opfern. Butterkuchen schmeckte Kindern eben doch besser.



Die neu eingezogene syrische Mutter mit ihrer großen Tochter war auch dabei und so konnten beide gleich Kontakte mit den anderen knüpfen. Ein anderes, größeres Mädchen, kannte bisher die anderen Jugendlichen noch nicht. Auch da war der Kontakt schnell hergestellt. Bei Kaffee und Kuchen läuft doch alles besser.


Einen ganz herzlichen Dank an den Sponsor.

Text / Bilder: IR

Kekse backen

11.12.2015

Geplant war es schon eine ganze Weile, am Freitag konnten wir das Vorhaben dann umsetzen: gemeinsam mit den Kindern, die regelmäßig in die Nähstube des Gelben Dorfes kommen, Kekse zu backen.
Möglich wurde dies durch die Schule Charlottenburger Straße, die uns für einige Stunden ihre Schulküche zur Verfügung stellte.
Zuhause bereiteten wir den Teig vor, besorgten die Verzierungen und trommelten die Kinder zusammen.



Dann ging es auch schon los: Schürzen umbinden, Hände waschen, Teig nochmals durchkneten, ausrollen, aufs Backblech legen und backen. Und danach das Beste: die gebackenen Kekse verzieren.



Übertroffen wurde das nur noch vom Probieren und anschließenden Verteilen.



Die drei Stunden vergingen wir im Fluge. Sogar das Putzen der Küche machte den Kleinen noch Spaß.
Die Kinder waren glücklich und wir Erwachsenen geschafft.

Text / Bilder: IR

Eine Rahlstedter Kleiderkammer

Engagement für Flüchtlinge und Bedürftige

Bekleidungsspenden sammeln, sortieren, verteilen

09.12.2015

Seit vielen Jahren sammle ich gebrauchte Kleidung, Schuhe,  Haushaltsgegenstände, die sich noch in einem heilen, guten Zustand befinden, und so einiges andere was in einem normalen Haushalt benötigt werden kann. Diese Gegenstände gebe ich an eine Organisation im Bereich der Alsterdorfer Anstalten weiter. Hier werden all diese Dinge an Menschen verteilt, die nichts, nur geringe finanzielle Mittel oder auch einfach gar nichts haben; oder gar schwer behindert sind.

Nun, seit einigen Monaten strömen Menschen, Familien mit Kindern, aber auch Kinder ohne ihre Eltern aus Krisen- oder Kriegsgebieten aus dem mittleren und nahen Osten auf strapaziösen, gefährlichen Routen zu Fuß oder in „Nußschalen“ über dem Mittelmeer nach Deutschland; nur mit dem Nötigsten auf dem Rücken.
Bis Jahresende sollen es fast eine Million Menschen sein. Viele sind erschöpft, gekennzeichnet von den Strapazen; so kommen sie bei uns in Deutschland an. Viele hundert freiwillige Helfer und Helferinnen sind in fast allen Bundesländern bereit, den Flüchtlingen zu helfen: Ein Dach über den Kopf erstellen, Essen und trinken verteilen, klimagerechte Kleidung zu sammeln und verteilen, Unterstützung bei der Registrierung, Sprachbarrieren überwinden und Ängste abbauen, und, und, und.

So habe ich mich entschieden, nun Kleidungsspenden für Flüchtlinge in Rahlstedt zu sammeln. Der Bürgerverein Rahlstedt e.V. gab mir den Hinweis auf eine in Rahlstedt bestehende Kleiderkammer, und so habe ich mich mit neun vollgepackten Säcken warmer Kleidung aller Art, auch Schuhe, dorthin begeben.


Da stand ich vor der Tür eines Pavillons und klopfte an. Ich dachte schon da ist niemand, dann wurde mir die Tür geöffnet und nachdem ich erklärte, dass ich Kleidungsstücke gesammelt habe, ließ man mich, etwas zögerlich, ein. Ich stellte mich als Mitglied des Bürgerverein Rahlstedt der, wie mir schien der Leiterin dieser Kleiderkammer vor, und dass ich eben neun Säcke Kleidung dabei hätte. Man fasste Vertrauen und nach einem kurzen Kennenlernen habe ich nach der persönlichen Motivation zum Aufbau, zur Handlungs- und Vorgehensweise eine Kleiderkammer zu organisieren und zu betreiben, gekommen ist, gefragt und wie sie die zukünftige Aktivitäten in einer Kleiderkammer einschätzt. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch.

„Sie habe im Fernsehen die Flüchtlingsströme, die Menschenkolonnen mit Kindern an der Hand auf „Schusters Rappen“ viele hundert Kilometer hinter sich gebracht, hier in Deutschland  ankommen gesehen. Das prägte sich mir im Kopf ein, sodass ich mich entschloss, aktiv zu werden. Ich meldete mich als Helferin in den Messehallen an, der z. Z. größten Kleiderkammer in Hamburg. Dort half ich die gebrachten Bekleidungen, Schuhe aller Art, verschiedenste Spielzeuge für junge und ältere Kinder, Fahrräder, zu sortieren und geordnet nach Art und Teil in dafür vorgesehenen Ablagefächer/ -Kartonagen zu legen; ach Gott was kam da alles zusammen. Es waren Berge von Gegenständen. Viele Helfer waren dort und so wirkte die Organisation teilweise. eher unstrukturiert. Aber irgendwie ging es ja doch.
Es war anstrengend und mein Problem war ja, das ich noch einen Haushalt und Familie habe, die auch versorgt werden wollen. Zudem dauerte die Fahrzeit von Rahlstedt zu den Messehallen hin und wieder zurück jeweils eine Stunde; das war für mich dann doch ein zu hoher Zeitverlust.

Ich wollte aber helfen und so  recherchierte ich im Internet, las vom Runden Tisch in Rahlstedt, vom „Gelben Dorf“, und das dort auch eine Kleiderkammer in Alt Rahlstedt neu eingerichtet werden sollte. So habe ich mich dort gemeldet.

Da ich schon einige Erfahrungen in den Messehallen gewonnen hatte, brachte ich meine Erfahrungen und Vorstellungen von der Einrichtung und Gestaltung einer neuen Kleiderkammer den Mitgliedern des Runden Tisches vor. Man war erfreut darüber und so habe ich mir dann die Rahlstedter Kleiderkammer angesehen. Es war alles noch im Aufbau. Kleidersäcke über Kleidersäcke, Kartons über Kartons standen dort in einem Raum.

So mussten zunächst Überlegungen der Lagerung und Sortierung nach bestimmten Merkmalen angestellt werden. Dafür waren Regale erforderlich. Anschließend erfolgten die Sortierung nach Mann, Frau, Kinder der Bekleidung, Schuhwerk, Spielsachen und andere Dinge des täglichen Bedarfes. So langsam bekommen wir aber alles in den Griff.
Wir sind hier mit ungefähr 25 Personen im Wechsel im Einsatz. So hat man dann auch mal wieder ein paar Tage Zeit für die Familie.“


Auf meine Frage, wie denn die Zukunft aussehen wird, erzählte sie mir: „Ja, wir beabsichtigen eine mobile Kleiderkammer aufzubauen. In Absprache mit der Kirchengemeinde wollen wir mit einem Fahrzeug zu den verschiedenen Asylbewerberheimen, die bestimmte Bedarfe haben und wir diese decken können, hinfahren. Das haben wir schon ein paar Mal zu den Asylunterkünften in Jenfeld gemacht. Wir bedienen aber auch obdachlose Menschen, die dringend warme Kleidung benötigen, wie zum Beispiel aus dem Umfeld der Trinitatiskirche.“

Dieser Einblick in die Gestaltung und Betreibung einer Kleiderkammer auf freiwilliger, ja fast selbstloser Basis, hat mich stark beeindruckt.

Text / Bilder: JRW