BEGEGNUNGEN IN RAHLSTEDT

Geschichten und Nachdenkliches rund um die ehrenamtliche Hilfe für Menschen auf der Flucht

(die Bilder sind immer mit der ausdrücklichen Erlaubnis der Abgebildeten gemacht, wurden aber nachträglich anonymisiert)


 

Grillen mit der Teestube

27.05.2016

Schon vor einigen Wochen hatten wir in der Teestube der Entschluss gefasst, einfach mal einen Grillabend zu veranstalten, gestern Abend war es dann soweit.
Da die Kinder, die immer noch draußen spielten, mit eingeplant waren, haben wir es bewusst einfach gehalten. Es gab Wurst im Fladenbrot, auf die Faust. Nachdem es sich bis in die letzte Ecke des Dorfes herumgesprochen hatte, war unser Grillmeister für kurze Zeit der beliebteste Mann im Dorf, direkt gefolgt von unserem „Lord Ketschupbewahrer“.



Über 150 Würstchen und fast 10 Fladenbrote konnten ihrer Bestimmung zugeführt werden, 5 Tüten Weingummi wurden Opfer eines Heuschreckenschwarms, eine Flasche Ketschup segnete das Zeitliche und ein Fahrrad konnte repariert werden.



Fazit des Abends: DAS WIEDERHOLEN WIR

Text / Bilder: JS

Tag der offenen Tür in der Stargarder Straße

07.05.2016

Gemeinsam mit OH:JA der Organisation der Freiwilligen hatte der LEB (Landesbetrieb Erziehung und Beratung) zum Tag der offenen Tür am 7. Mai eingeladen. Ca. 350 Oldenfelder Bürger folgte der Einladung, um sich ein eigenes Bild über die Lebensumstände, das Betreuungskonzept und die Ziele der Jugendlichen machen zu können. Bei Kaffee und Kuchen sowie einem reichhaltigen Grillbuffet, welches zum Teil von den Jugendlichen nach Rezepten aus ihrer Heimat selbst hergestellt war sowie den großzügigen Zugaben von Seiten der Freiwilligen, konnten die interessierten Bürger mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen, die Wohnanlage besichtigen und einen Eindruck gewinnen, mit welchen Zielen und Erwartungen die 14- bis 17-Jährigen nach Deutschland gekommen sind. Sie hatten sich alle Mühe gegeben, zum Erfolg dieses 1. Festes beizutragen. Die selbst gemalten Bilder, grafisch dargestellte Lebens- und Fluchtbiografien, Gesänge und Tänze aus deren Heimatländern vermittelten einen tiefen Eindruck über Leben und Wertevorstellungen der jungen Menschen. Der Leiter der Einrichtung Christoph Lewinski begrüßte die Gäste und berichtete über die Herkunftsländer, den Betreuungsschlüssel durch die Erzieher und Sozialpädagogen. Er konnte ferner darauf hinweisen, dass es seit dem Bestehen der Einrichtung exakt einen einzigen Polizeieinsatz gegeben habe, der durch eine Lappalie ausgelöst wurde. Die Jugendlichen beginnen, in der neuen Heimat anzukommen und schlagen Wurzeln durch die Schulbesuche, die Mitgliedschaft in den Sportvereinen und die engen Kontakte zu den Freiwilligen von OH:JA.

Klaus Schmidt-Siebrecht von OH:JA begrüßte ebenfalls die Gäste und bedankte sich bei den Sportvereinen, dem Bürgerverein und den ca. 60 aktiven Freiwilligen, die sich in der Nachhilfe, den Exkursionen, den beruflichen Perspektiven, aber auch in der Ausbildung zu Vormund- und Patenschaften engagieren. Er wies darauf hin, wie ausgeprägt spürbar der Wunsch ist, hier anzukommen, hier zu lernen, sich hier zu integrieren. Das sollte insbesondere dann möglich sein, wenn die Bevölkerung den Jugendlichen freundlich begegnet, wenn sie Ihnen die Chance gibt, sich in unsere Wertgesellschaft einzubinden, wenn diese nicht ausgegrenzt werden, sondern über viele private Kontakte in unsere Gesellschaft, vielleicht sogar in unsere Familien eingebunden werden.



Ein absoluter Höhepunkt war die weitestgehend in freier Rede vorgetragene Ansprache des 17-jährigen Afghanen Samim, der sich in nahezu fehlerfreiem Deutsch bei all denen bedankte, die ihm und seinen Mitbewohnern Aufenthalt in Deutschland ermöglichen und sie willkommen geheißen haben. Der junge Mann ist nicht einmal ein ganzes Jahr in Deutschland. Die Gäste waren einstimmig des Lobes voll über die gelungene Veranstaltung, zu der das strahlende Sommerwetter einen großen Anteil beigetragen hat.

Bild / Text: KSS

 

Im GELBEN DORF gibt es jetzt freies Internet

15.04.2016

Die erste Phase ist abgeschlossen. Seit heute Mittag gibt es in der öffentlich-rechtlichen Wohnunterkunft Rahlstedter Straße 8 (dem sog. Gelben Dorf) für die Bewohner freies WLAN.
Eigentlich wollten die Organisatoren des Runden Tisch Rahlstedt warten, bis das von der Stadt Hamburg zugesagte freie Internet auch im Gelben Dorf verfügbar ist.

Bei Gesprächen in der „Teestube für Männer“ stellte sich jedoch heraus, dass der Bedarf nach einem Internetzugang sehr viel drängender ist. So gibt es beispielsweise Online-Sprachkurse, die bisher nicht genutzt werden konnten. Auch Formulare für Behörden lassen sich häufig vorab herunterladen, was dann Zeit in der Behörde spart. Und natürlich Telefonate mit Freunden und Verwandten, die über das freie Internet nun kostenlos geführt werden können.

Der Runde Tisch Rahlstedt griff die Initiative der Teestube auf und recherchierte die Voraussetzungen. Für die technische Unterstützung konnte Ulrich Brandt (Bürgerverein Rahlstedt e.V.) gewonnen werden, der auch Berater der Kirchengemeinde Alt-Rahlstedt bei EDV-Belangen ist. Nachdem der Runde Tisch Rahlstedt signalisiert hatte, die anfallenden Kosten zu übernehmen, erklärte die Kirchengemeinde Alt-Rahlstedt sich bereit, einen Internetanschluss zu beantragen, da dies nur von einer juristischen Person übernommen werden kann.

Da es in Deutschland noch die sog. „Störerhaftung“ gibt, die den Anschlussinhaber für möglicherweise illegale Downloads der Nutzer haftbar macht, nahm Ulrich Brandt Kontakt zu FREIFUNK HAMBURG auf. Die Freifunker ermöglichen mittels Soft- und Hardware auf legale Weise trotzdem ein freies WLAN. Die „Freifunk-Initiative“ ist in ganz Deutschland aktiv, die Freifunker in Hamburg haben beispielsweise die Flüchtlingseinrichtung in der Schnackenburgallee mit Internet versorgt.

Mit Abschluss der ersten Phase ist nun freies WLAN im Sozialraum des Gelben Dorfes und rund um den Verwaltungscontainer (Bild links) verfügbar.


In der zweiten Phase wird außen am Verwaltungscontainer ein Outdoor-Router installiert, dessen Funksignal ca. 75 % der Einrichtung abdecken wird. Die Vorarbeiten sind bereits abgeschlossen (Bild rechts). „Ich hoffe, dass wir bis Mitte Mai die letzten Montagen vornehmen können.“ sagte Ulrich Brandt, „Das Ganze war auch für mich eine neue und spannende Erfahrung“.

Text / Bilder: JS